Ein so komplexes Krankeitsbild wie der Diabetes mellitus wirft immer Fragen auf. Oft bleiben diese unbeantwortet. Dabei sind viele Fragen wichtig für den richtigen Umgang mit dem Diabetes mellitus. Hier haben wir Fragen aus dem Alltag und aus Zusendungen zusammen getragen, um sie mit einer möglichst kurzen, sowie verständlichen Formulierung zu beantworten. Wir leisten allerdings keine medizinische Beratung und beantworten Fragen immer allgemeingültig. Diese FAQ-Datenbank ist ebenfalls nicht dazu da, wie viele andere FAQ-Seiten im Internet, dass die Antwort in einem unendlichen wissenschaftlichen Salmonen endet. Nein, einfache Fragen brauchen einfache Antworten.

Frage: Ist Diabetes heilbar?
Antwort: Nein. Unter einer vermehrten körperlichen Bewegung und Gewichtsverlust kann sich eine Stoffwechsellage soweit bessern, dass keine Behandlung mehr durchgeführt werden muss, aber irgendwann tritt der Diabetes wieder in Erscheinung.

Frage: Ist ein insulinspritzender Typ-2-Diabetiker vom Insulin "abhängig" und "hängt er an der Nadel"?
Anwort: Nein. Wie oben bereits beschrieben sind dramatische Stoffwechselverbesserungen, z.B. durch eine Änderung des Lebensstils durchaus möglich. Hierunter können dann Insulintherapien bei Typ-2-Diabetikern u.U. ausgesetzt oder durch eine Tablettentherapie ersetzt werden.

Frage: Wieviele Teststreifen muss meine Krankenkasse bezahlen?
Antwort: Hierauf gibt es keine pauschale Antwort. Lediglich bei Behandlungen mit oralen Antidiabetika gibt es eine gesetzliche Vorgabe, dass nur in Ausnahmefällen Teststreifen verschrieben werden sollten. Generell richtet sich die Teststreifenverordnung nach der Art der Therapie. Je mehr Anpassungs- und Reaktionsmöglichkeiten in einer Behandlung vorgesehen sind, desto eher machen Blutzuckerselbstmessungen Sinn. Die wenigsten Adaptationsmöglichkeiten gibt es bei der Mischinsulintherapie und die meisten bei der Insulinpumpentherapie.

Frage: Warum sind alle Ärzte so vorsichtig mit der Teststreifenverordnung?
Antwort: Bei Ärzten zählen die Teststreifen, im Gegensatz zu den Apotheken, als "Arzneimittel" und diese fliessen unmittelbar mit ein in das limitierte Praxisbudget.

Frage: Was ist ein "postprandialer" Blutzucker?
Antwort: Dies ist ein Blutzucker nach dem Essen. Wenn man beispielsweise einen postprandialen Blutzucker messen möchte, so sollte man dies ca. 1 bis 2 Stunden nach dem Essen machen.

Frage: Was ist ein HbA1c?
Antwort: Der HbA1c ist ein Glykohämoglobin, d.h. eine Form der roten Blutkörperchen, die mit Zucker verbunden sind. Die Bindung mit Zucker, auch gelegentlich "Verzuckerung oder Langzeitzucker" genannt, hängt von der durchschnittlichen Blutzuckerhöhe eines Menschen ab. Auch bei gut eingestellten Diabetikern beträgt der Anteil des glykoliserten Hämoglobins etwa 6%-7.5%. Da die Lebenszeit der verzuckerten Hämoglobine bis zu 90 Tage beträgt, spiegelt der Wert den durchschnittlichen Blutzucker der letzten 90 Tage wieder. Doch Vorsicht, der HbA1c unterliegt sehr vielen Einflußfaktoren, so dass sich die Qualität einer Stoffwechseleinstellung nicht nur im HbA1c spiegelt.

Frage: Welche Organe des Körpers können durch den Diabetes negativ beeinflußt werden?
Antwort: Alle.

Frage: Macht Insulin dick?
Antwort: Beim Insulin handelt es sich um ein anaboles Hormon. Wenn dieses falsch oder übermäßig eingesetzt wird, so führt dieses tatsächlich zu einer Gewichtszunahme. Wird es aber physiologisch gebraucht und man geht bedacht damit um, dann ist eine insulingesteuerte Gewichtszunahme kaum möglich.

Frage: Aber als ich im Rahmen meines schlecht eingestellten Zuckers unter einer Tablettentherapie, auf Insulin eingestellt wurde, habe ich ziemlich zugenommen?
Antwort: Unter einem schlecht eingestellten Zucker werden erhebliche Mengen an Zucker wieder über den Urin ausgeschieden. Dieses macht einen Energieverlust von 400-600 kcal pro Tag aus. Wird der Stoffwechsel dann rasch normalisiert, z.B. durch eine Insulintherapie, werden die Ernährungsgewohnheiten unverändert fortgesetzt und es kommt zu einer positiven Energiebilanz, wodurch eine Gewichtszunahme vorprogrammiert ist.

Frage: Braucht ein Diabetiker extra Vitamine?
Antwort: Bei einer ausgewogenen, gesunden Mischkost und einer gut eingestellten Stoffwechsellage benötigt der Diabetiker keine Vitaminzugaben. Doch Hand auf's Herz, wer ernährt sich durchgehend von einer gesunden Mischkost? Zudem sollte erwogen werden, dass im höheren Lebensalter die Vitaminzufuhr sinkt und viele Medikamente, wie auch Lebensgewohnheiten als "Vitaminräuber" gelten.

Frage: Bei meinem HbA1c von 10,8% wurden erst meine Beine taub und jetzt habe ich Potenzstörungen, wie kommt das?
Antwort: Aufgrund der ungünstigen Blutzuckerlage könnte eine deutliche Nervenschädigung vorzuliegen. Bei über der Hälfte der männlichen Diabetiker tritt unter solchen Umständen die Potenzstörung in Erscheinung. Dieser Zusammenhang ist daher nicht selten und sollte mit einer deutlich verbesserten Stoffwechsellage beantwortet werden. Nicht nur wegen der Potenz.

Frage: Muß vor einer Insulininjektion desinfiziert werden?
Antwort: Nein. Unter ambulanten Bedingungen auf keinen Fall, denn es besteht eher noch die Gefahr, dass z.B. Alkoholreste unter die Haut verschleppt werden und dort zu Reaktionen führen können. Im stationären Bereich gibt weiterhin gesetzliche Vorgaben, die eine Desinfektion vorschreiben.

Frage: Ist Diabetes ansteckend?
Antwort: Nein. Allerdings ist schon bemerkenswert, dass Ehepartner von Diabetikern häufiger Diabetes entwickeln im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung, aber das hat wohl eher was mit den Lebensgewohnheiten zu tun.

Frage: Warum ist der Blutdruck so wichtig für Diabetiker?
Antwort: Viele Folgekrankheiten des Diabetes entstehen nicht nur durch eine schlecht eingestellt Blutzuckerlage, sondern erst in Kombination mit hohen Blutdruckwerten. Daher sollte der Blutdruck bei Diabetikern regelmäßi kontrolliert und ggf. medikamentös eingestellt werden.

Frage: Ich habe bei meiner 14jährigen Tochter gestern einen Blutzucker von 160mg% gemessen, was soll ich tun?
Antwort: Dieses Ergebnis ist nur bedingt gültig, denn die gängigen Handmeßgeräte haben immer eine Abweichungstoleranz, was ganz besonders für alte Geräte gilt. Im Zweifel sollte bei der jungen Dame eine Blutzuckerbelastungstest unter standardisierten Bedingungen durchgeführt werden.

Frage: Ich habe einen schlimmen Fuß. Warum schickt mich mein Hausarzt erst in die Fußambulanz statt zum Chirurgen?
Antwort: Heute gibt es ein großes Fachwissen rund um den diabetischen Fuß und sehr fortschrittliche Möglichkeiten einen solchen Fuß "zu retten". Dieses Fachwissen ist Vorraussetzung in zertifizierten Fußambulanzen. Vielerorts gibt es Kooperationen zwischen Fußambulanzen und qualifizierten Chirurgen. Die Vermeidung der Amputation sollte allerdings bis zum Letzten das oberste Ziel bleiben.

Frage: Was ist denn nun besser für Diabetiker: Fünf Mahlzeiten oder drei normale Mahlzeiten?
Antwort: Mit drei normalen, ausgewogenen Mahlzeiten wie bei einem Nicht-Diabetiker erreicht man nicht nur eine gute Lebensqualität, es kann auch einer Gewichtszunahme deutlich vorgebeugt werden. Die Diabetesbehandlung sollte entsprechnd angepaßt sein. Doch Vorsicht: Es gibt auch Diabetesbehandlungsformen, bei denen sehr viel häufiger über den Tag gegessen werden muß, um Unterzuckerungen zuvor zu kommen, z.B. bei Mischinsulinen oder bestimmten Tabletten (die i.d.R. auch dann zu einer entsprechenden Gewichtszunahme führen)

Frage: Warum brauche ich eine Schulung?
Antwort: Je ausgefeilter eine Diabetesbehandlung, je mehr diese auf die Wünsche des Betroffenen eingeht, desto mehr Dinge müssen beachtet werden und desto wichtiger wird das Patientenwissen. Wenn notwendige Handlungen zu Hause unterbleiben oder Dinge rund um den Diabetes falsch gemacht werden, dann nützt die teuerste Diabetesbehandlung nichts. Nur die Symbiose aus einem guten Diabetikerwissen und einer entsprechenden Zuckereinstellung schaffen eine gute Prognose und einen gut eingestellten Stoffwechsel. Zudem sollte bedacht werden, dass gerade bei Teilnehmern am Straßenverkehr regelmäßige Schulungen erwartet werden.

Frage: Schmerzt eine Insulininjektion?
Antwort: Sollte sie nicht. Es gibt heute verschiedene Nadellängen, wobei die kürzesten bei 4mm liegen, und spezielle Nadelbeschichtungen/Nadelschliffe, womit sich ein Schmerz vermeiden läßt. Dies ist auch der Grund, warum die Nadeln nach dem Gebrauch gewechselt werden sollten. Trittt trotzdem ein Schmerz auf, dann sollte der Hersteller oder die Nadellänge gewechselt werden.

Frage: Wie alt kann man mit einem Diabetes werden?
Antwort: Uralt, zumindest kann die Lebenserwartung eines Nicht-Diabetikers erreicht werden, vorausgesetzt dass ein Leben lang auf eine normnahe Blutzucker- und Blutdruckeinstellung geachtet worden ist.

Frage: Ist Diabetes erblich?
Antwort: Ja. Beim Typ-1-Diabetiker spielen die Gene eine eher untergeordnete Rolle, ganz im Gegensatz zum Typ-2-Diabetes. Allerdings müssen beim Diabetes noch weitere Faktoren zu den Genfaktoren dazu kommen, damit ein Diabetes letztendlich ausbricht.

Frage: Ich nehme jetzt schon viele Jahre Metformin. Mein Hausarzt sagt jetzt, dass mir dadurch ein Vitamin für die Blutbildung fehlen könnte, ist das richtig?
Antwort: Ja, das ist richtig. Durch eine langjährige Einnahme von Metformin, auch gerade in höheren Dosierungen, kann das Vitamin B12 fehlen.

Frage: Ich seit fast 10 Jahren Diabetes und einen HbA1c von 7,8% (womit ich unzufrieden bin). Mich würde interessieren, ob für mich eine Insulinpumpe in Frage käme, denn ich habe erfahren, dass das Leben mit einer Insulinpumpe leichter ist?
Antwort: Sicherlich hat das Leben mit einer Insulinpumpe verschiedene Vorzüge und auch Freiheiten. Auf der anderen Seite müssen auch bei einer Insulinpumpentherapie feste Grundregeln eingehalten werden. Eine Pumpentherapie sollte stets hinterfragt und auch kontrolliert werden. Ob eine Insulinpumpe für Sie in Frage kommt ist nicht alleine nur vom HbA1c abhängig, sondern von vielen anderen Faktoren wie Vorbehandlung und Folgeschäden, aber auch von Persönlichkeitsmerkmalen wie Zuverlässigkeit, Hang zur korrekten Dokumentation etc.. Dieses kann man durchaus in einer diabetologischen Schwerpunkteinrichtung prüfen lassen, denn die Unzufriedenheit bezüglich des HbA1c kann ich durchaus verstehen. Jedoch darf man nicht erwarten, dass eine Insulinpumpentherapie eine Garantie für einen guten HbA1c darstellt.

Frage: Ich lese ständig in Zeitschriftenartikeln über ein neues Diabetesmedikament, was das Insulin ersetzt und schlank macht, kann ich das auch bekommen?
Antwort: Gemeint sind in diesen Artikeln das sog. GLP-1-Analogon. Dieses muss ebenfalls injiziert werden und entspricht einer gentechnisch veränderten Variante des beim Menschen sonst im Dünndarm vorkommenden GLP-1-Hormons. Dieses Hormon reduziert das Hungergefühl, verlangsamt die Magenentleerung, stimuliert eine Insulinausschüttung aus der Bauchspeicheldrüse und regelt noch zahlreiche weitere biochemische Mechanismen im menschlichen Körper. Die GLP-1-Analoga können eingesetzt werden solange die Bauchspeicheldrüse noch eigenes Insulin produziert. Sie sind allerdings kein Insulinersatz.